Zwangsouting von Profifußballern ist das falsche Signal
In einer aktuellen Presseinformation weist das schwule Anti-Gewalt-Projekt MANEO aus Berlin auf einen besorgniserregenden Vorgang innerhalb des Profisports hin. Im folgenden der Maneo-Pressetext im Wortlaut:
"In einem jüngst veröffentlichten Essay im Nachrichtenmagazin „Spiegel“ hat Ballack-Manager Michael Becker auf Profifußballer hingewiesen, die schwul sein sollen. Er habe angekündigt, dass ein ehemaliger Nationalspieler „demnächst“ eine „Schwulencombo“ inmitten des Profifußballsport „hochgehen lassen“ will.
Der Autor, Alexander Osang, schreibt in seinem Essay: „Ein paar Tage später, am Rande des Abschiedsspiels von Bernd Schneider in Leverkusen, kündigte Becker inmitten einer Traube von Spielerberatern und Journalisten im Bayer-Clubhaus an, dass es einen ehemaligen Nationalspieler gebe, der ‚die Schwulencombo’ demnächst hochgehen lassen würde.“ Gemeint ist eine vermeintlich große „homosexuelle Verschwörung“ um die Mannschaft von Joachim Löw.
Bastian Finke, MANEO-Projektleiter, erklärt hierzu: „Zwangsoutings von Profifußballern tragen nicht zur notwendigen gesellschaftlichen Aufklärungsarbeit bei. Abgesehen davon, dass hier eine verschwörerische Atmosphäre suggeriert wird, geht die Ankündigung von Outings mit einer deutlichen Drohung einher. Ein solcher Stil beinhaltet ein rücksichtsloses Vorgehen gegen Persönlichkeitsrechte. Was wir brauchen ist vielmehr eine Atmosphäre, in der sich sowohl schwule Fußballer und lesbische Fußballerinnen gut und sicher fühlen können. Wir brauchen couragierte Jungspieler und Jungspielerinnen, ebenso Manager und Managerinnen sowie Trainer und Trainerinnen, die öffentlich erklären, dass jeder willkommen ist und gefördert wird, der Leistungen im Fußball zeigen will. Sie müssen durch Worte und Taten deutlich machen, dass für sie auch schwule Fußballer und lesbische Fußballerinnen gleichwertige Teamkollegen sind. Das fördert das Beste in jedem Spieler. Es muss jedem Spieler selbst überlassen bleiben, ob und wann er sich outen will.“ MANEO ist in ein Netzwerk eingebunden, das Betroffene helfen und unterstützen will, die sich über ein Outing beraten lassen wollen.
Tanja Walther-Ahrens, Delegierte der European Gay and Lesbian Sport Federation, erklärt hierzu: „Es ist mehr als bedauerlich, wenn mit solchen unqualifizierten Kommentaren die bereites gemachten Fortschritte im Fußball wie z.B. die Unterstützung der Ausstellung ‚Gegen die Regeln – Lesben und Schwule im Sport’ durch die UEFA und den DFB oder ebenfalls durch den DFB geförderte Auftritte der lesbisch-schwulen Fußballfans bei Christopher Street Days konterkariert werden. Die zitierten Aussagen und Ausführungen tragen dazu bei, Vorurteile gegenüber Homosexuellen zu festigen. Darüber hinaus schüren sie die Angst vor einem Outing von SpielerInnen sowohl im Profi- als auch im Breitensport." European Gay and Lesbian Sport Federation, siehe: www.eglsf.info."




